Sichtschutz aus Glas: Windlast, Verankerung und wo daraus ein Geländer wird

Eine Glaswand im Freien ist eine Segelfläche. Warum Sichtschutzwände an der Befestigung scheitern und nicht am Glas, welche Glasart wofür taugt – und wann andere Regeln gelten.

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Sichtschutzwand aus grau getöntem Glas mit Edelstahlpfosten an einer Grundstücksgrenze

Eine Sichtschutzwand aus Glas nimmt dem Nachbarn den Blick auf die Terrasse und dem Wind die Kraft – ohne dass es hinter ihr dunkel wird. Das ist der Unterschied zur Matte und zur Holzwand. Der Preis dafür: Eine Glasfläche im Freien ist eine Segelfläche, und daran scheitern die meisten selbstgebauten Lösungen.

Der entscheidende Punkt heißt Windlast

Eine Sichtschutzwand von zwei Metern Höhe und drei Metern Länge hat sechs Quadratmeter Fläche. Bei Sturm drückt der Wind mit einer Kraft dagegen, die man mit der Hand nicht erahnt – und diese Kraft geht vollständig in die Verankerung.

Das ist der Grund, warum Sichtschutzwände selten am Glas versagen. Sie versagen an der Befestigung: Der Pfosten reißt aus, das Fundament kippt, der Dübel zieht sich aus dem Ziegel. Wer eine Glaswand plant, plant deshalb zuerst die Verankerung und danach das Glas.

  • Freistehend im Garten braucht Punktfundamente, die tief genug reichen – nicht ein paar Zentimeter Beton unter der Platte.
  • Auf einer Terrassenplatte muss geprüft werden, ob die Platte die Hebelkraft aufnimmt. Bei dünnen Balkonplatten geht die Befestigung oft besser seitlich an die Stirn als von oben.
  • An der Hauswand gilt dasselbe wie beim Vordach: Vollziegel trägt, Hochlochziegel braucht Verbundanker, ein Wärmedämmverbundsystem trägt gar nichts.

Je nach Lage macht es außerdem Sinn, die Wand nicht durchgehend zu schließen: Ein Spalt am Boden oder eine Unterteilung nimmt Druck aus der Fläche.

Wann es kein Sichtschutz mehr ist, sondern ein Geländer

Das ist die Unterscheidung, die im Baumarkt niemand macht und die alles ändert. Liegt hinter der Wand eine Absturzkante, ist sie keine Sichtschutzwand mehr – sie ist eine Absturzsicherung.

Damit gelten andere Regeln: Verbund-Sicherheitsglas statt Einscheibenglas, geprüfte Halterungen, definierte Höhe. Eine Sichtschutzwand am Rand einer Dachterrasse ist ein Geländer, auch wenn sie als Sichtschutz gedacht war. Mehr dazu im Beitrag Glasgeländer.

Steht die Wand dagegen auf ebenem Grund im Garten, ohne Höhenunterschied dahinter, ist sie tatsächlich nur Sichtschutz – dann ist Einscheiben-Sicherheitsglas die übliche Wahl.

Klar, satiniert oder getönt

Für den Zweck kommen drei Varianten in Frage, und sie unterscheiden sich mehr, als man denkt:

  • Satiniert – blickdicht, lässt aber Licht durch. Die häufigste Wahl. Von außen sieht man Schemen, keine Gesichter.
  • Getönt (grau oder bronze) – man sieht hindurch, aber gedämpft. Nimmt die Härte aus der Sonne und wirkt weniger abweisend als eine blickdichte Wand.
  • Teilbereiche satiniert – der untere Teil blickdicht, oben klar. Sitzend hat man Ruhe, stehend den Blick ins Grüne.

Eine völlig klare Wand ist als Sichtschutz sinnlos, als Windschutz aber sehr wirksam – wer nur die Zugluft loswerden will, kommt damit gut zurecht.

Zwei Dinge, die man vorher wissen sollte

Vogelschlag. Eine klare oder leicht getönte Glasfläche im Garten wird von Vögeln nicht als Hindernis erkannt – besonders dann nicht, wenn sich Bäume und Himmel darin spiegeln. Wo Grünflächen angrenzen, ist das kein theoretisches Problem. Abhilfe schaffen satinierte Flächen, Markierungen oder Gläser mit Mustern, die für das Vogelauge sichtbar sind und für das menschliche kaum.

Grünbelag. An schattigen Nordseiten setzt sich mit der Zeit ein grünlicher Film aus Algen an – auf Glas genauso wie auf allem anderen. Er ist harmlos und mit mildem Reiniger abwaschbar, kommt aber wieder. Wer eine wartungsfreie Lösung erwartet, sollte das wissen.

Nachbarrecht: vorher klären

Höhe und Standort einer Einfriedung sind nicht frei wählbar. Was zulässig ist, hängt an der Bauordnung – und die ist in Wien eine andere als in Niederösterreich – sowie oft an Bebauungsplan oder Ortsbildvorschriften. Bei Reihenhausanlagen kommen mitunter Regelungen der Eigentümergemeinschaft dazu.

Das ist kein Formalismus: Eine Wand, die entfernt werden muss, ist teurer als eine, die vorher abgestimmt wurde. Wir sagen Ihnen, was in unserer Erfahrung üblich ist – die verbindliche Auskunft kommt allerdings von der Gemeinde beziehungsweise dem Magistrat.

Häufige Fragen

Hält Glas Hagel aus?

Einscheiben-Sicherheitsglas ist deutlich schlagfester als normales Glas und übersteht üblichen Hagel. Bei großen Körnern kann es brechen – dann zerfällt es in stumpfe Krümel. Versicherungsseitig ist Hagel meist dem Sturmabschnitt zugeordnet und nicht der Glasbruchdeckung.

Kann ich die Wand später versetzen?

Die Scheiben ja, die Fundamente nicht. Wenn absehbar ist, dass sich am Garten noch etwas ändert, lohnt eine Pfostenlösung mit Bodenhülsen statt einer einbetonierten Konstruktion.

Wie reinige ich sie?

Wie ein Fenster: mildes Mittel, weiches Tuch oder Abzieher, kein Scheuermittel. Satiniertes Glas zeigt Wasserflecken weniger als klares – ein praktisches Argument für die satinierte Variante.

Wird es hinter der Wand wärmer?

Etwas, ja – die Wand hält den Wind ab, und wo kein Wind geht, staut sich Wärme. Das ist meist erwünscht. An einer nach Süden liegenden Terrasse kann es im Hochsommer allerdings zu viel des Guten sein.

Was kostet eine Sichtschutzwand aus Glas?

Den Ausschlag geben Fläche, Glasart, Bauart der Pfosten und vor allem der Untergrund – Punktfundamente im Garten sind etwas anderes als eine Befestigung an einer bestehenden Mauer. Wir sehen uns die Situation an und rechnen es durch. Ausgeführte Arbeiten finden Sie in der Galerie.

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